.:Transplantationbüro - Berlin Charité:.
Die Charité

Der Name Charité steht für eine Berliner Tradition und dem fundamentalen gesellschaftlichen Auftrag zur Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Die Charité war zur Jahrhundertwende das Synonym für medizinischen Fortschritt und sozialer Verantwortung. Rudolf Virchow steht als Zellpathologe und sozialer Reformer stellvertretend für eine Reihe herausragender Persönlichkeiten, die den Weltruf der Charité begründeten. 

In den vergangenen 15 Jahren brachten mehrere Krankenhausreformen in Berlin sehr viele Umstrukturierungen mit sich. Der Begriff Fusionsverbund – die Zusammenlegung von Kliniken – prägte die Krankenhausdebatte. Die Standortverlagerung und damit die Verschmelzung der Kliniken Charlottenburg - der damaligen Freien Universität Berlin - und dem Städtischen Rudolf Virchow Krankenhaus zum „Virchow Klinikum der Freien Universität Berlin“ war der Startschuss für eine weitgehende Modernisierung nach höchsten wissenschaftlichen Standards. Fünf Jahre nach der Wiedervereinigung wurde zur Neuordnung der Hochschulmedizin dieser Komplex in die Humboldt -Universität mit dem Namen „Virchow – Klinikum der Humboldt - Universität zu Berlin“ übertragen. 

Mit der Fusion der Fakultäten - Virchow Klinikum und Charité - ist Europas größte Medizinische Fakultät entstanden. Seit dem 1. April 1997 gibt es damit ein einzigartiges Zentrum der Hochleistungsmedizin. Den zwei Standorten entsprechend sind die Namen Charité Campus – Virchow Klinikum und Charité Campus Mitte entstanden. 

Das Transplantationszentrum 

Der Grundstein für das inzwischen größte Transplantationszentrum Deutschlands wurde 1988 mit der Berufung von Prof. Dr. med. Peter Neuhaus nach Berlin gelegt. Er sollte die noch damals in den Anfängen befindliche Lebertransplantationen in Berlin zu einem etablierten Verfahren und einer anerkannten Therapieform bei unterschiedlich chronischen Lebererkrankungen errichten. Mit viel Engagement und persönlichen Einsatz des Mitarbeiterstammes gelang es ein anspruchsvolles, vielfältiges und erfolgreiches Programm aufzubauen. Die erste Lebertransplantation wurde am 26. September 1988 erfolgreich an einer jungen Frau mit einem akutem Leberversagen nach einer fulminanten Hepatitis B durchgeführt. Heute nach über 10 Jahren erfreut sich die Patientin prächtigster Gesundheit. In den ersten 3 Monaten seines Wirkens konnten 6 Lebertransplantationen erfolgreich durchgeführt werden. Im Folgejahr 1989 waren es insgesamt bereits 53. Die Schallmauer von 100 Transplantationen pro Jahr wurde 1991 durchbrochen. Das Programm konnte bis zu einer Gesamttransplantationszahl von 136 Lebern in 1995 gesteigert werden. Seither hält sich die Frequenz von circa 120 – 130 Lebertransplantationen pro Jahr. Im Mai 1997 wurde die 1000ste Leber in Berlin transplantiert. Das Transplantationsprogramm beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Lebertransplantationen sondern sieht auch einen Schwerpunkt in den Kombinationen. So wurde 1992 mit der kombinierten Leber-Nieren-Transplantation bei polyzystischen Nierenerkrankungen begonnen. 1995 entschloss man sich auch die kombinierte Pankreas-Nieren-Transplantation mit in das Programm aufzunehmen, um die Patientengruppe der diabetischen Nephropatien (Diabetes Typ I) versorgen zu können. Auch diese simultane Transplantation ist inzwischen zu einem erfolgreichen Bestandteil des Berliner Programmes geworden. Im ersten Jahr 1995 wurden zwei simultane Pankreas-Nieren-Transplantationen durchgeführt. 1998 waren es bereits 22 Transplantationen pro Jahr.  

Aufgrund neuer Transplantationstechniken in Deutschland entschied man sich ebenfalls 1995 die Nierenlebendspende als Verfahren anzuwenden. Bis Heute verzeichnet man in ganz Deutschland einen rasanten Anstieg der durchgeführten Lebendspenden. Ein Verfahren, dass aus der Not des Organmangels heraus entstanden ist.  

Den Erfolg der Organtransplantationen kann man nicht zuletzt an den statistischen Zahlen ablesen. So liegt die 1-Jahres-Überlebensrate bei lebertransplantierten Patienten bei 92 %. Nach 5 Jahren bei circa 85 – 88 %. 

Der Erfolg des Transplantationsprogrammes von Prof. Neuhaus ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass von Beginn an in den entscheidenden Arbeitsbereichen Strukturen geschaffen worden sind, die noch Heute ihre Wertigkeit unter Beweis stellen. So konnte über die Jahre hinweg jeder Bereich für sich selber wachsen, sich festigen und aus Erfahrungen profitieren. Einige dieser Bereiche seien hier beispielhaft genannt:
Die zentrale Einheit eines Transplantationszentrums ist die Organisationszentrale. Man entschied sich damals einen nichtärztlichen Transplantationskoordinator mit organisatorischen und administrativen Aufgaben zu beauftragen. Aus dem „Einmannbüro“ ist heute eine Abteilung für Medizinlogistik mit mehreren Mitarbeitern und mit den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen  gewachsen. Verschiedenste Bereiche umfassen das Arbeitsgebiet der Medizinlogistik.

Ein Novum für damalige Verhältnisse war die Entscheidung, eine eigene Intensivstation und Nachsorgestation für transplantierte Patienten zu eröffnen. Die damalige Wachstation unterteilte sich in 4 Intensivpflegebetten und 4 Betten zur Evaluierung vor Lebertransplantationen bzw. zur Nachsorge. Mit dem Umzug des Klinikums an den heutigen Standort wurde eine neue Intensivstation mit 10 Beatmungsplätzen für transplantierte Patienten eingerichtet. Zwei Chirurgen, 2 Anästhesisten und 31 Pflegekräfte betreuen im Schichtdienst die intensivpflichtigen Patienten.  

Wesentlich für den Therapieerfolg und die Gesundung der Organempfänger ist nicht nur die postoperative Betreuung der Patienten auf peripheren Stationen sondern auch eine gut geführte und strukturierte Ambulanz. Nach dem anfänglich die Patienten über das Transplantationsbüro versorgt worden sind, musste auch in diesem Bereich aufgrund des stark wachsenden Programmes die ambulante Nachsorge auf ein breiteres Fundament gestellt werden. Seit Januar 1990 wird die Leberambulanz von Frau Dr. Neuhaus geführt. Inzwischen wird die Patientennachsorge von 2 Ärzten und 4 Pflegekräften bewältigt. Täglich werden circa 100 Patienten vor Ort und per telefonischer Beratung in direktem Kontakt oder über den betreuenden Hausarzt versorgt.  

Es bleibt nicht aus, dass in einem großen Zentrum beständig zukunftsorientiert, innovativ, gedacht und gehandelt wird. Es folgen Erweiterungen des Transplantationsprogrammes durch die Leber Lebendspende, die Dünndarmtransplantation und der Multiviszeralchirurgie.  

Bei akutem Leberversagen zur Überbrückung bis zur Transplantation wird das künstliche Leberersatzsystem eingesetzt. Ganz neue Wege und Möglichkeiten werden im Bereich des Tissue-Engineerings (künstlicher hybrider Gewebeersatz) genutzt. Unter Laborbedingungen werden Knorpel, Haut und Stammzellen vermehrt und Gefäßprothesen mit Zellen beschichtet.  

Ebenso ist die Teilnahme an internationalen Studien für das Zentrum ein gern gesehenes „Muss“. 

In den letzten 20 Jahren ist es gelungen, die Klinik zu einem internationalen renommierten Zentrum wachsen zu lassen. Inzwischen ist die Charité auch Kompetenzzentrum für die Ausbildung und Etablierung von Transplantationsprogrammen im europäischen Ausland. 

Das Alles wäre nicht möglich ohne den persönlichen Einsatz vieler Mitarbeiter über das normale Ar-beitsmaß hinaus. Weltweit genießt die Charité mit dem Klinikdirektor der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Prof. Neuhaus ein hohes Ansehen.

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